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Werner Schinko

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                                                                   (Ehrenbürger W.Schinko, Bürgermeister H.-F. Müller)

 

 

Der Röbeler Künstler, Maler und Grafiker Werner Schinko wurde auf dem Jahresempfang der Stadt Röbel/Müritz am 22.Januar 2010 als Ehrenbürger der Stadt geehrt.

Laudatio auf Werner Schinko

 

Welch wundersam Ding ist doch eine Laudatio.


Natürlich - und in erster Linie die Lobrede zu Ehren einer Person. Andererseits ist es auch eine Ehre für den Laudator, eine solche vortragen zu dürfen.


Diese angenehme Aufgabe ist mir Kraft meines Amtes einfach so zugefallen, aber die Ehrung hat sich Werner Schinko als Künstler, Maler und Grafiker, als realitätsbezogener schöngeistiger Mensch mit festen Wurzeln in seiner mecklenburgischen Wahlheimat, als Freund der natürlichen und urbanen Umwelt in mehr als einem halben Jahrhundert erworben.

 

Bei uns in der Stadtvertretung wird bekanntermaßen, und da bin ich sehr stolz drauf, nicht polemisiert und um des Kaisers Bart gestritten. Nach guter Vorbereitung in den Ausschüssen erfolgt die Beschlußfassung im Regelfall recht zügig. So schnell und natürlich einstimmig, wie die Entscheidung zur Ehrenbürgerschaft, lieber Werner, wurde jedoch kein Thema abgearbeitet. - Meinen Respekt.

 

Wer ist nun Werner Schinko?
Meine Mutter war Grundschullehrerin und hielt daher die Fachzeitschrift "Die Unterstufe". Als Schulbub mit Feuerzangenbowleambitionen hatte mich diese Literatur eher zweitrangig interessiert - aber, neugierig war ich jeden Monat auf die Titelseite - gestaltet von Werner Schinko. Natürlich war diese Arbeit nur ein Mosaikstückchen aus seinem Leben und Schaffen. Was also noch?


In früheren Zeiten hieß es, wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man ´nen Arbeitskreis. Selbstverständlich habe ich das nicht gemacht. Denn, meine Freunde hätten mir das nicht zugetraut, selbst ich bin online im Internet.


Unter 3.240 weiteren Eintragungen ist da zu lesen: Schinko, geboren am 4. Oktober 1929 in Wurzelsdorf, ein deutscher Maler und Grafiker. In der DDR gehörte er zu den bedeutendsten Buchillustratoren. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er wie die meisten Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei ausgewiesen, 1942 nach Röbel/Müritz umgesiedelt. Werner Schinko studierte von 1950 bis 1955 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. 1955 kehrte er nach Röbel zurück und ist dort seitdem als freischaffender Garfiker tätig. Seine Diplomarbeit, eine Folge von Holzschnitten zu Fritz Reuters "Kein Hüsung" brachte ihm die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler ein. Er wurde Buchillustrator für den Hinstorff-Verlag und bearbeitete zwischen 1959 und 1989 mehr als einhundert Buchtitel, darunter 30 Bände mit niederdeutscher Literatur und zahlreiche Kinderbücher.

 

Werner Schinko interessierten immer auch die Menschen, insbesondere die sogenannten Originale: wettergegerbte Fischer, die starkhüftigen Ackerbürgerfrauen aus Röbel und natürlich unser Spezi, Korl Lehmann - unter anderem auf dem "Schinkogiebel" in der Altstadt zu sehen. Andererseits war und ist es die Natur, die ihn nie losließ. Gibt es überhaupt eine Mecklenburg-Grafik, wo nicht zumindest an der Bildecke ein Vogel, eine Katze oder ein Mäuschen zu sehen ist?


Er beschäftigt sich mit Herrn Pastorn sin Kauh, der heimlichen mecklenburgischen Nationalhymne, genauso wie mit Fuchs und Wolf, einem Märchen der Sorben. Seine Werke sind eine Hymne an das tägliche Leben mit all seinem Glück, den Tücken und den kleinen Siegen.


Ja, ich greife das noch einmal auf:
Seit über 60 Jahren in Röbel ansässig - und damit länger als so mancher "Ur-Röbler" - Werner Schinko ist ursprünglich nicht "einer von hier". Er kommt nicht aus unserer Stadt oder einem der Nachbardörfer. Nein, er ist als Treibgut der Geschichte 1946 hier gelandet und hat sich dann fest verwurzelt. Seit mehr als einem halben Jahrhundert findet sich Röbel als "seine kleine Stadt" und die sie umgebende Natur liebevoll in seinem Werk verewigt. Er hat damit weit über die Landesgrenzen hinaus das Bild von seiner Wahlheimat mitgeprägt und für sie geworben.


Die Stadt Röbel/Müritz dankt dir, lieber Werner, für diese große Liebeserklärung an die Menschen, die natürliche, ländliche und urbane Umwelt in deinem künstlerischen Werk.


Du hast darüber hinaus dich mit deinem dauerhaften Engagement vor Ort als Bürger dieser Stadt und Künstler um den Erhalt unserer einmaligen Natur und die Stadtentwicklung verdient gemacht. Deine Aktivitäten haben zu einer Verankerung der Kunst in unserem täglichen Leben beigetragen.


Die Stadt Röbel/Müritz ernennt dich hiermit voller Anerkennung und Dankbarkeit zum Ehrenbürger.

 

Heinz-Fritz Müller
Bürgermeister

 

 

Der Ehrenbürger, Herr Werner Schinko verstarb am 05.07.2016 im Alter von 86 Jahren.